Metamorphose I 2019 I Friedrich Zirm

Ich bin ein Inklusionstäter, ein Inklusionskünstler

2018 vollzieht Zirm einen radikalen Wandel in seiner Kunst. Mit seinen provokanten und gesellschaftskritischen Rollstuhlinstallationen rüttelt er auf und hält den Finger in die Wunde. Zirms neue Werke widmen sich dem Thema Inklusion und gesellschaftlichen Zwängen. Eine Kunstfotografie von Zirm nackt am Boden liegend in der Straße der Menschenrechte in Nürnberg entblöst eine Gesellschaft, die noch weit von der Umsetzung der Menschenrechte entfernt ist.

„Es ist schon phänomenal, wenn man einen leeren Rollstuhl, durch eine beliebige Stadt in Deutschland schiebt, kreiert er die gleichen Ängste und Vorbehalte und aktiviert er genau die selben Mechanismen in den Köpfen der Passanten, die sich in den gleichen verstohlenen und ängstlichen Blicken äußern, wie wenn ein Mensch tatsächlich in ihm sitzend von A nach B transportiert werden würde.
Das heißt also, der Rollstuhl führt ein Eigenleben, ein Eigenleben welches offensichtlich nichts mit dem zu Befördernden zu tun hat. Das recht einfache und simple Gerät „Rollstuhl“ hat demzufolge eine Symbolkraft, die kaum zu greifen ist.

Der leere Rollstuhl zwingt uns Ängste auf, wie Krankheit, Leistungsabfall, soziale Isolation und nicht zuletzt das Gespenst des Todes.

Gleichzeitig jedoch wurde er erfunden um Menschen zu verbinden, Kontakt herzustellen, Kommunikation zu fördern, das Leben möglich zu machen, ja das Leben zu feiern.“

Friedrich Zirm

"In der Zeit, in der ich mich mehr oder weniger ausschließlich mit der Perfektionierung meiner ästhetischen Ausdrucksform beschäftigt habe, hatte ich meinen Schmerz vergessen oder auch verdrängt. Ich habe unterlassen der Wut in meiner Kunst Raum und Form zu geben. Angesichts des Bewusstseins der vielen tausend Menschen, die aufgrund ihres Andersseins in Heimen und Altersheimen vegetieren, steigt in mir der kalte Zorn auf.

Sie sind ihrer Freiheit beraubt, von ihrer individuellen Entfaltungs-und Entwicklungsmöglichkeit abgeschnitten. Sie sind rollende oder laufende Kapitalanlagen, sie werden versorgt, mehr schlecht als recht. Satt und sauber!"

Friedrich Zirm

That's me

Friedrich Zirm in der Straße der Menschenrechte in Nürnberg

© Rollstuhl Installationen und 'That's me' fotografiert von Birger Bustorff

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