Friedrich Zirm - Freiheit
Friedrich Zirm - Freiheit

Friedrich Zirm - Einer der außergewöhnlichsten Künstler unserer Zeit

Friedrich Zirm wurde 1963 in Heidenheim geboren. Auf Grund eines Sauerstoffmangels während der Geburt wurde sein Bewegungszentrum im Gehirn geschädigt, wodurch er weder Hände noch Füße koordinieren kann und aufgrund seiner spastischen Lähmung auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Friedrich Zirm malt deshalb mit dem Stift im Mund, seine Zunge spielt dabei eine wichtige Rolle. So ist Friedrich Zirm ein bildender Künstler, dessen Kunst auf Zungenfertigkeit basiert - eine Eigenschaft, die man sonst eher bei einem Lyriker erwartet. So beziehen Zirms Kunstwerke ihre besondere Poesie aus diesem einzigartigen Spannungsfeld zwischen selbstbestimmter Kreativität und fremdbestimmter Steuerung durch Umstände von außen. Friedrich Zirm verstarb am 3. Februar 2020.

"Mensch, Kunst und Kunstwerk liegen bei mir enger zusammen als bei den meisten Menschen, welche die Kunst in den Vordergrund ihres Daseins wählten. Bei mir als physio-motorisch annähernd maximal eingeschränktem Menschen verschmelzen Person, Umsetzung und Ausdruck zum Produkt des Schaffens, zum Kunstwerk."

Friedrich Zirm

Diese Webseite wird vom gemeinnützigen Verein 'Friedrich Zirm Nachlass e.V.' betreut. Ziel der Webseite ist es, das Erbe des einzigartigen Künstlers Friedrich Zirm zu bewahren und der Welt einen kleinen Einblick in Friedrichs vielschichtiges Werk zu geben. So wollen wir einen Zugang zu Informationen, Bildern, Videos und Geschichten von Friedrich ermöglichen, die sein Werk und seine künstlerische Relevanz dokumentieren.

Wir wollen nicht nur das Vermächtnis des Künstlers bewahren, sondern auch sein Werk für zukünftige Generationen zugänglich machen. Diese Webseite soll dabei ein Ort sein, an dem Freunde, Interessierte und Kunstliebhaber gleichermaßen eintauchen können, um mehr über das Leben und die Arbeit dieses bemerkenswerten Künstlers zu erfahren.

Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Hilfe. Zusammen werden wir sicherstellen, dass das Vermächtnis dieses Ausnahmekünstlers für lange Zeit lebendig bleibt.

Mit besten Grüßen,
Friedrich Zirm Nachlass e.V.

Zeichnungen und Grafiken

Friedrich Zirm entwickelt seine frühen Arbeiten von Kohle Zeichnungen mit zarten Linien hin zu großformatigen monumentalen Grafiken, die Purismus und Minimalismus verkörpern – erstellt mit der Zunge, da er seine Hände nicht nutzen kann. Seine Kunst überschreitet räumliche und körperliche Grenzen, indem er mit einfachen Linien und Flächen intensive Ausdruckskraft erzeugt. Dabei entwickelt er eine einzigartige visuelle Sprache, die menschliche Gestik und soziale Interaktion in abstrakte, sinnliche Kunst verwandelt.

Roll-Kunst

Friedrich Zirms Projekt Rollkunst erforscht das Zusammenspiel von Mensch, Maschine, Farbe und Bewegung, indem er seinen Rollstuhl oder ein Modellauto als „Malroboter“ einsetzt. Dadurch erweitert er sein künstlerisches Spektrum von schwarz-weißen Zeichnungen hin zu großformatigen, farbintensiven Werken mit reliefartiger Struktur. Der Malroboter wird mit der Zunge gesteuert und eröffnet neue Ausdrucksmöglichkeiten, während er gleichzeitig Fragen nach der Rolle von Technik im kreativen Prozess aufwirft. In Performances reflektiert Zirm diesen Dialog zwischen Künstler und Maschine, bei dem Technik sowohl strukturierend als auch befreiend wirkt.

Schmuck-Kunst

Zirms Vision ist es, Kunst in den Alltag der Menschen zu integrieren und die Kunst näher an den Menschen zu bringen - an den Körper, an die Haut. Das setzt er um, indem er mit dem Mund kleine Kohle- und Tuschegrafiken zeichnet, die geschützt unter einem geschliffenen Bergkristall in von ihm designte Schmuckstücke verarbeitet werden. Die so entstandenen Schmuckstücke sind allesamt Unikate, die eine Symbiose zwischen Kunst und Schmuck bilden.

Tuschegrafiken

Seit 2016 erstellt Zirm Grafiken mit dicken Tuschepinseln. Hier entstehen erhabene, kräftige und ruhige Linien, die oftmals an asiatische Kalligraphien erinnnern. In Anlehnung an seine Schmuckarbeiten und seine frühen Rissbilder verwendet Zirm hierfür neben Karton auch gerissenes, handgeschöpftes Papier aus dem Himalayagebiet.

Installationen und Kunstfotografie

2018 vollzieht Zirm einen radikalen Wandel in seiner Kunst. Mit seinen provokanten und gesellschaftskritischen Rollstuhlinstallationen rüttelt er auf und hält den Finger in die Wunde. Zirms neue Werke widmen sich dem Thema Inklusion und gesellschaftlichen Zwängen. Eine Kunstfotografie von Zirm nackt am Boden liegend in der Straße der Menschenrechte in Nürnberg entblößt eine Gesellschaft, die noch weit von der Umsetzung der Menschenrechte entfernt ist.

Kunst-Filme

Es enstanden mehrere Kurzfilme über Friedrich und seine Arbeit als Künstler.

Im Film 'Abstrich' führte Zirm selbst Regie und wirkte als Darsteller mit.

'Abstrich' ist eine kraftvolle Metapher für das übersehene Potenzial von Menschen mit Behinderung oder Einschränkungen – sowohl im künstlerischen als auch im menschlich-ethischen Kontext. Er hinterfragt die gesellschaftliche Tendenz, kreative Entfaltung und Erfahrung Älterer oder Hilfsbedürftiger aus Kostengründen wegzurationalisieren, und stellt eindringlich die Frage, ob wir bereit sind, diese stillen, aber wertvollen Perspektiven wieder wahrzunehmen.

"Seitdem die Menschen in sozialen Gemeinschaften leben, übernimmt die Kunst als freies, von materiellen Zwängen losgelöstes Gestalten eine sehr wichtige Aufgabe. Wenn man so will, ist sie das Fett im Getriebe der Gesellschaft. Sie hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf unser seelisches Gleichgewicht und damit auf unser persönliches Wohlbefinden. Ohne die Kunst wäre unser Leben um einiges ärmer. Wir würden versinken im täglichen Kampf um die Beschaffung des materiell Notwendigen.

In unserer Zeit, in der dem Konsum eine immer größere Bedeutung zugemessen wird, hat das Produkt als Sinn spendendes Element einen großen Stellenwert erlangt. Die Zukunft wird zeigen, dass die Qualität des Lebens nicht nur an äußeren, materiellen Werten festzumachen ist, sondern dass der Mensch wieder mehr Augenmerk auf das innere Gleichgewicht, auf seine Seele richten wird, richten muss! An dieser Stelle kann ich als Künstler einen effektiven Beitrag leisten: die Kunst ist für den Menschen da. Sie ist ein Kommunikationsmittel, ein Lebensmittel."

Friedrich Zirm.

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